Curaçao-Lizenz vs. deutsche Lizenz: Der Unterschied
Von Finn Sander, Spielerschutz-Beauftragter · 9. September 2026
Glücksspielregulierung in Deutschland ist kein einzelnes Gesetz, sondern ein Zusammenspiel aus Behörden, technischen Systemen und Grenzwerten, das auch bei Razed spürbar wird. GGL, LUGAS und OASIS bilden zusammen ein Netz aus Kontrolle, dessen einzelne Bestandteile sich erst im Detail erschließen.
IP-Sperren: Wie die GGL Zugriffe blockiert
Neben Zahlungsblockaden nutzt die GGL auch IP-Sperren als Instrument gegen Anbieter ohne deutsche Lizenz. Dabei werden Internetanbieter angewiesen, den Zugriff auf bestimmte Domains oder Server-Adressen für Nutzer in Deutschland technisch zu unterbinden.
In der Praxis führt das dazu, dass eine betroffene Webseite von deutschen Internetanschlüssen aus nicht mehr oder nur eingeschränkt erreichbar ist, während sie von anderen Ländern aus weiterhin normal funktioniert. Diese Maßnahme betrifft in erster Linie besonders auffällige oder wiederholt beanstandete Anbieter und wird nicht flächendeckend gegen jede ausländische Glücksspielseite eingesetzt.
Technisch versierte Nutzer können solche Sperren mitunter über Umwege umgehen, was die Wirksamkeit der Maßnahme begrenzt und in der Fachdiskussion regelmäßig thematisiert wird. IP-Sperren sind damit ein Baustein unter mehreren, die zusammen mit Zahlungsblockaden und der öffentlichen Warnliste nicht lizenzierte Angebote für den deutschen Markt weniger attraktiv machen sollen.
OASIS: Die zentrale Sperrdatei
OASIS ist die zentrale Sperrdatei, mit der sich Spieler in Deutschland selbst vom Glücksspiel ausschließen lassen können. Die Sperre gilt anbieterübergreifend für Spielbanken, Spielhallen sowie lizenzierte Online-Angebote für Sportwetten, virtuelle Automatenspiele und Poker.
Wer sich eintragen lässt, wird bei jedem Versuch, ein Konto zu eröffnen oder sich einzuloggen, automatisch abgewiesen, weil Anbieter verpflichtet sind, vor Zulassung eines Spielers einen Abgleich mit der Datei durchzuführen. Die Eintragung kann auf eigenen Wunsch erfolgen, ist aber auch möglich, wenn ein Anbieter Anzeichen problematischen Spielverhaltens erkennt und von sich aus eine Fremdsperre veranlasst.
Die Sperre erstreckt sich nicht nur auf neue Anmeldungen, sondern auch auf bereits bestehende Konten, die bei Eintragung geschlossen werden müssen. Das System wird von der GGL verwaltet und soll verhindern, dass eine Sperre bei einem Anbieter durch einen Wechsel zu einem anderen umgangen wird.
Anjouan und andere Offshore-Lizenzen
Neben Curaçao treten am Markt auch Lizenzen aus anderen Regionen auf, etwa von der Autonomen Insel Anjouan, die zu den Komoren gehört. Solche Lizenzen funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip: Eine lokale Behörde erteilt eine Genehmigung, die in erster Linie für den jeweiligen Rechtsraum gedacht ist.
In der Praxis unterscheiden sich diese Lizenzsysteme oft in Umfang und Strenge der Prüfung von Anbietern erheblich voneinander, mit weniger detaillierten Vorgaben und geringeren Anforderungen an Transparenz als etablierte Stellen sie verlangen. Für Verbraucher lässt sich von außen schwer beurteilen, wie intensiv eine bestimmte Offshore-Behörde ihre Lizenznehmer kontrolliert.
Wer bei einem solchen Anbieter dennoch aktiv werden möchte, kann zumindest prüfen, ob die angegebene Lizenznummer auf der Webseite der Behörde öffentlich nachschlagbar ist und ob ein Impressum mit nachvollziehbarem Firmensitz vorhanden ist – ein Mindestmaß an Transparenz, das nicht jede Offshore-Lizenz bietet.
Landeslizenzen versus bundesweite Regelung
Vor dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 lag die Zuständigkeit für Glücksspiel überwiegend bei den einzelnen Bundesländern, die jeweils eigene Regeln und Genehmigungsverfahren hatten. Diese Zersplitterung führte dazu, dass ein Anbieter unter Umständen in einem Bundesland tätig sein durfte, in einem anderen aber nicht, was sowohl für Unternehmen als auch für Spieler unübersichtlich war.
Mit dem GlüStV 2021 wurde die Aufsicht für Online-Glücksspiel weitgehend auf eine bundesweite Ebene gehoben, wobei die Länder den Staatsvertrag gemeinsam tragen und die GGL als länderübergreifende Behörde eingerichtet haben. Bestimmte Bereiche, etwa die klassischen stationären Spielbanken, verbleiben stärker in landesrechtlicher Zuständigkeit.
Für Online-Angebote gilt inzwischen ein einheitlicher rechtlicher Rahmen, der in allen 16 Bundesländern gleichermaßen Anwendung findet, sodass eine bundesweit gültige GGL-Lizenz nicht mehr von einzelnen Ländergenehmigungen abhängt.
Online-Poker: Eine eigene Spielform
Online-Poker wird im Glücksspielstaatsvertrag als eigene Spielform mit eigenen Regeln behandelt, getrennt von virtuellen Automatenspielen. Da es sich um ein Spiel handelt, bei dem Spieler gegeneinander statt gegen den Anbieter antreten, unterscheidet sich die Risikostruktur von Slots, bei denen ausschließlich gegen den automatisierten Anbieter gespielt wird.
Lizenzierte Anbieter müssen dennoch Spielerschutzmechanismen wie Einzahlungslimits im Rahmen von LUGAS und die Anbindung an die OASIS-Sperrdatei umsetzen. Zulässige Formate umfassen unter anderem Cash-Games und Turniere, wobei bestimmte Tischgrößen und Einsatzstrukturen vorgegeben sein können.
Auch für Poker gilt, dass nur Anbieter mit gültiger GGL-Lizenz ihr Angebot in Deutschland vermarkten dürfen. Wer auf internationalen Pokerplattformen mit deutschsprachigen Nutzern aktiv ist, sollte gezielt prüfen, ob für das jeweilige Angebot eine deutsche Lizenz vorliegt oder nicht.
Affiliates und Werberegeln im Glücksspiel
Auch Affiliate-Webseiten, die Vergleiche, Testberichte oder Rankings von Glücksspielanbietern veröffentlichen, unterliegen indirekt den Werbevorgaben des Glücksspielstaatsvertrags, sofern sie mit lizenzierten Anbietern zusammenarbeiten. Verlinkungen und Bewertungen dürfen keine unrealistischen Gewinnversprechen enthalten und müssen erkennbar machen, dass eine wirtschaftliche Verbindung, etwa über ein Partnerprogramm, besteht.
Kennzeichnungspflichten für bezahlte oder provisionsbasierte Inhalte gelten hier ebenso wie im übrigen Online-Marketing. Anbieter selbst sind zudem verpflichtet, in eigenen Werbemaßnahmen und über beauftragte Partner auf verantwortungsvolles Spielen sowie auf Hilfsangebote hinzuweisen.
Eine Zusammenarbeit mit Affiliate-Seiten entbindet Anbieter nicht von der Verantwortung für den Inhalt der Werbung, weshalb seriöse Vergleichsportale in der Regel dieselben Einschränkungen zu Zielgruppe, Ansprache und Gewinnaussagen einhalten wie die Anbieter selbst. Diese Struktur soll verhindern, dass strengere Werberegeln über den Umweg unabhängiger Drittseiten unterlaufen werden.
Die Altersgrenze von 18 Jahren für Glücksspiel existiert aus gutem Grund und wird von lizenzierten Anbietern über Ausweisprüfung technisch durchgesetzt. Auf check-dein-spiel.de lässt sich in wenigen Minuten anonym prüfen, wie das eigene Spielverhalten einzuordnen ist. Wer über längere Zeiträume mehr Geld oder Zeit investiert als geplant, sollte dies als Warnsignal verstehen.